Tischtennis
International - DTTB-Asse spielen in Lyon um europäische Titel
Die Düsseldorfer Timo Boll und Patrick Baum dagegen verzichten auf ihren Start. „Vor unserer Heim-WM und den Olympischen Spielen will ich mein Wettkampfprogramm richtig dosieren und muss, so schwer es mir fällt, auch mal Turniere absagen“, erläuterte der 15-fache Europameister, Boll, der das Top 12 bisher fünf Mal gewinnen konnte. „Ich spiele das Europe Top 12 wirklich gerne, es hat eine lange Tradition. Aber in einem so wichtigen Jahr wie diesem liegt der Fokus auf den beiden Höhepunkten, WM und Olympia.“ „Timos umfangreicher Wettkampfkalender war schon häufig ein Thema. Ich begrüße es, dass er seine Termine reduziert, um sich gezielt vorbereiten zu können“, sagte Jörg Roßkopf. „Er muss sein Trainingspensum bis zur WM deutlich steigern. Dort hat er noch Defizite.“ Patrick Baum will nach seinen Oberschenkel- und Knieproblemen erst einmal seinen Trainingsrückstand aufholen, bevor er sein internationales Wettkampfprogramm fortsetzt.
Ovtcharov mit Titelambitionen
Jedoch auch ohne die beiden EM-Finalisten Boll und Baum ist der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) in Lyon-Villeurbanne immerhin noch viermal chancenreich vertreten. Dimitrij Ovtcharov beispielsweise macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen, mit einem Sieg aus Frankreich zurückkehren zu wollen. "Es ist mein großes Ziel, 2012 dieses renommierte Turnier erstmals zu gewinnen", sagt der Hamelner, der in Abwesenheit des fünfmaligen Gewinners Timo Boll an Position eins gesetzt sein wird. Der Weltranglisten-Zehnte, der im Vorjahr im Viertelfinale dem späteren Turniersieger Kalinikos Kreanga aus Griechenland unterlegen war, liefert gleich eine Reihe guter Begründungen für seinen Optimismus: "Ich bin gesund und habe sehr gut trainiert. Außerdem liegt mir das Turnierformat: Es ist sehr ähnlich wie der Supercup, bei dem ich dreimal im Finale stand und den ich einmal gewinnen konnte. Hoffentlich spiele ich auch so gut wie bei meinem Sieg." Einen ärgsten Widersacher will der 23-jährige Ovtcharov aus dem Feld nicht hervorheben: "Die anderen elf Spieler sind alle sehr stark. Da ist vieles von der Tagesform abhängig." Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf sieht seinen zweiten Top-Ten-Mann ebenfalls als reif für den Titel an und fordert deshalb: "Dima sollte im Normalfall mindestens das Finale erreichen, aber diesen Anspruch hat er ja auch von sich selbst."
Aller guten Dinge sind drei: Bastian Steger liebäugelt mit einer Medaille
Aller guten Dinge sind drei. Das hofft zumindest der Deutsche Meister Bastian Steger. Nach dem Aus in der Vorrunde in Düsseldorf 2010 und dem Erreichen der Runde der besten Acht 2011 in Lüttich zählt der Saarbrücker zu den ernsthaftesten Anwärtern auf einen Medaillengewinn. Der Weltranglisten-22., der bislang als größten Erfolg seiner Karriere den Finaleinzug bei den Grand Finals 2010 zu Buche stehen hat, ist in Lyon hinter Ovtcharov, dem Weißrussen Vladimir Samsonov und Frankreichs Lokalmatador Adrian Mattenet an Position vier gesetzt. Jörg Roßkopf weiß um die Chancen, aber auch um die Stolpersteine, die im Turnier auf den 30-Jährigen warten könnten: "Für Basti ist bei diesem Turnier alles möglich, und das gilt für alle Richtungen."
Steger wäre nicht Steger, würde er nicht eher vorsichtig mit dem Edelmetall liebäugeln: "Nach dem Viertelfinaleinzug vom Vorjahr möchte ich versuchen, mein Ergebnis diesmal noch weiter zu verbessern. Es sind viele gute Spieler am Start, aber unschlagbar ist keiner." Österreich stellt in Lyon bei den Herren übrigens die meisten Starter und sorgt dabei gleichzeitig für ein Kuriosum, denn Chen Weixing (für Dänemarks Supercup-Sieger Michael Maze), Ex-Weltmeister Weltmeister Werner Schlager (für Timo Boll) und Robert Gardos (für Patrick Baum) rückten allesamt als Ersatzleute ins Feld.
Wu Jiaduo und Irene Ivancan vertreten Deutschland bei den Damen
Als aktuell bestnotierte Europäerin darf sich die Weltranglisten-16. Wu Jiaduo zwar durchaus Chancen auf den Turnieraussieg ausrechnen, Favoritin ist aber auch in diesem Jahr Titelverteidigerin Li Jiao. Die 37-jährige Niederländerin pflegt bei kontinentalen Turnieren auf die Minute topfit zu sein und konnte sich bereits viermal (2007, 2008, 2010 und 2011) in die Siegerliste des Europe Top 12 eintragen. Nach dem überraschend frühen Ausscheiden im Vorjahr schon in der Vorrunde bleibt Wu Jiaduo auch zwölf Monate später mit ihrer Zielsetzung vorsichtig: "Zunächst einmal will ich natürlich die Qualifikation für das Viertelfinale schaffen. Mein Ziel ist es dabei, möglichst Gruppenerste zu werden, um eine bessere Ausgangsposition zu haben."
Irene Ivancans Debüt ein hart erarbeiteter Erfolg
Deutschlands zweite Starterin wird beim Europe Top 12 ihr Debüt geben. In der Setzungsliste taucht Ivancan zwar derzeit nur auf Position elf auf, doch die EM-Zweite von Danzig verfügt mit ihrem offensiv orientierten Defensivspiel und ihrer Spielintelligenz über exzellente Qualitäten, sich auch diesmal weit nach vorne ins Rampenlicht zu spielen. Das kontinentale Ranglistenturnier ist allerdings Ivancans erstes bedeutendes internationales Turnier im Jahr 2012, nachdem sie im Januar nicht an den Hungarian und Slovenian Open teilnahm.
Gespielt wird auch in Lyon am Samstag wieder zunächst in vier Vorrundengruppen zu je drei Spielern. Die Erst- und Zweitplatzierten jeder Gruppe erreichen das Viertelfinale, das ebenfalls noch am Samstag auf dem Programm steht. Am Sonntag werden dann die Halbfinalbegegnungen sowie die Endspiele ausgetragen. Von den 70.000 Euro Gesamtpreisgeld gehen jeweils 9.000 an die beiden Sieger.


